Erasmus for All?

Gepostet in Allgemein am 29. Februar 2012

Das EU Förderprogramm „Erasmus for All“ soll 2014 eine Reihe anderer Förderprogramme ersetzen. Die bisherigen Programme „Jugend in Aktion“, „Lebenslanges Lernen“ und einige andere werden dann zu einem großen Programm zusammengefasst. Die EU-Kommission argumentiert ihren Vorschlag mit dem Argument der Vereinfachung und Einsparung von Verwaltungskosten. Gleichzeitig wird aber auch das Budget erhöht. Derzeit gibt es neben Lob aber auch noch Kritik am Vorschlag der Kommission.

Was ist „Erasmus for All“

„Erasmus for All“ ist ein Förderprogramm das mehrere bestehende Programme in ein Großes zusammenfasst. Unter anderen betroffen sind die allgemeine und berufliche Bildung, die Jugend und der Sport. Gefördert wird die europaweite Mobilität, die institutionelle Zusammenarbeit (Bildungseinrichtungen, Unternehmen, Jugendorganisationen) und die Unterstützung von politischen Reformen in den Mitgliedsstaaten (z.B. Bolognaprozess). Das Förderprogramm ist dabei auf den Zeitraum 2014-2020 festgelegt. Laut EU-Kommission sollen aber keine neuen Bezugsgruppen dazu kommen. Die Gelder für das Gesamtprogramm sollen um 70% erhöht werden – wie die Aufteilung auf die einzelnen Bereiche aussieht ist aber noch nicht beschlossen. Während die budgetäre Aufstockung sehr zu begrüßen ist, gibt es aber Kritik an der Zusammenlegung und Ausgestaltung des Programms.

Das Neue an „Erasmus for All“ sind die Garnatie für MasterstudentInnen die einen Auslandsaufenthalt machen und die Schaffung von 400 Wissensallianzen. Laut EU-Kommission handelt es sich bei den Wissenensallianzen „um weitreichende Partnerschaften zwischen Hochschuleinrichtungen und Unternehmen, mit denen über neue Lernangebote und neue Qualifikationen Kreativität, Innovation und Unternehmergeist gefördert werden sollen.“ Die zwei wesentlichen Erneuerungen betreffen also nur die MasterstudentInnen und die Zusammenarbeit von Bildungseinrichtungen und Unternehmen.

Sozialer Ausgleich

Der Vorschlag der EU-Kommission vergisst die soziale Komponente und enhält fast keine Maßnahmen um benachteiligten Bevölkerungsgruppen einen gleichberechtigten Zugang zu verschaffen. So sind zum Beispiel die Zuschüsse für Bildungsaufenthalte im Ausland für alle gleich, ganz egal wie der ökonomische Hintergrund der Person ist. Bei vielen Menschen reicht der Zuschuss nicht aus, für andere ist er wiederum ein zusätzliches Taschengeld. Damit benachteiligte Bevölkerungsgruppen einen Zugang zu den Förderprogrammen bekommen, müssen aber auch Organisationen in den Mitgliedsstaaten miteinbezogen werden, die diese Menschen erreichen können.

Am 15. Dezember haben 30 europäische Bildungs-, Jugend- und Sozialorganisationen (darunter SOLIDAR) eine Presseerklärung veröffentlicht, in der sie den Vertrag auch strukturell kritisieren. Der Erwerb von Kompetenzen, Wissen und Fähigkeiten dient nicht nur dem Grund, Menschen erwerbsfähiger zu machen sondern stärkt den sozialen Ausgleich und die Partizipation der BürgerInnen. „Erasmus for All“ sollte auch das klarstellen und nicht nur wirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund stellen.

Eigenständige Jugendpolitik?

Besonders von den Jugendorganisationen und ihren Dachverbänden kommt Kritik. Sie befürchten, dass durch die Zusammenlegung die Jugendpolitik nicht mehr „Sichtbar“ ist und in der Bildungspolitik aufgeht – bzw. die Bildungspolitik dann in der Arbeitsmarktpolitik. Das interkulturelle Zentrum in Wien stellt dazu fest: „Während die Einsparungen durch eine einheitliche Verwaltung und deren Formulare eineiseits zu begrüßen sind, stellen sie auf der anderen Seite auch die Gefahr dar, dass sie sich dann nach den großen Playern im Bildungs- und Arbeitsmarktbereich richten.“

„Jugend in Aktion“ ist eines der 7 Programme, die in „Erasmus for All“ aufgehen. Es ist das einzige EU Programm, dass sich speziell auch an benachteiligte Jugendliche, die Schwierigkeiten in ihrem formalen Bildungsweg hatten oder soziale und gesundheitliche Probleme haben, wendet. Wenn mit Anfang 2014 „Jugend in Aktion“ zu Ende geht, verliert die EU auch das zentrale Instrument zur Implementierung einer Jugendstrategie in Europa – vor allem weil es bisher gelungen ist, mit geringen finanziellen Einsatz und mit von Jugendlichen selbst geplanten Projekten zu mehr Toleranz, kultureller Vielfalt und Persönlichkeitsentwicklung beizutragen.