Fighting for a cause

Gepostet am 14. Juni 2009

Inmitten des ganzen Trubels, ob die Sozialdemokratie nun das fünfte Mandat schafft oder nicht und ich in das Europäische Parlament einziehen kann, hatte ich endlich Gelegenheit, meinen Freund Anand, Professor am Institute for Global Studies an der Jawa Nehru Universität (New Dehli) zu treffen.

Er hielt sich gemeinsam mit seiner Frau Manju zu einer Gastvorlesung an meinem Institut an der JKU auf und war schon am Wochenende angereist. Entgegen der üblichen Gewohnheit fand ich keine Zeit die beiden zu treffen, da mich die Wahlkampfhektik und der Wahltag vollständig in Beschlag genommen hatten.

Anand und Manju verbrachten das Wochenende auf sich alleine gestellt, unterstützt von einer hilfsbereiten jungen Kollegin und es war nicht schwer für die beiden, etwas von meinem Wahlkampf mitzubekommen.
Als ich Anand am Dienstag endlich traf, da zeigte er sich sehr beeindruckt und meinte, als Soziologe könne man sich nur wünschen, so breite Aufmerksamkeit zu bekommen, um seine Ideen präsentieren zu können: “Du hast jetzt zu sehr viel mehr Menschen Zugang als bisher. Das ist ein wichtiges Ergebnis deiner Kampagne, nutze diese Chance.”
Als dann am Dienstagabend das von mir schon erwartete Ergebnis klar wurde und das Mandat endgültig an die Grünen ging (Gratulation an Eva Lichtenberger, der ich den Einzug ins EP von Herzen gönne), da konnte ich meine momentane Enttäuschung nicht wirklich verbergen. Anand merkte das natürlich und meinte sehr nachdrücklich: “You are fighting for a cause, not for a job”.

Danke Anand! So will ich es halten. Ich werde mich künftig in regelmäßigen Abständen, zunächst ausgehend von den vielen beeindruckenden Begegnungen während des Wahlkampfes, zu meinem Leibthema “Soziales Europa” zu Wort melden.
Mehr denn je bin ich überzeugt, dass wir Europa brauchen. Die großen Fragen der globalisierten Ökonomie lassen sich nur lösen, wenn Europa gemeinsam auftritt und mit einer Stimme spricht. Zu behaupten, kleine Nationen wie Österreich könnten die Lebensbedingungen ihrer BewohnerInnen befriedigend gestalten, wären sie nur auf sich allein gestellt, ist purer Unfug und dient lediglich der Rechtfertigung von kurzfristigen Machtgelüsten populistischer Volksverhetzer.

Wir brauchen keine neue Grenzen in unseren Köpfen, wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Europa. Allerdings brauchen wir ein anderes Europa. Ein Europa, das mehr ist als die Vollendung des Binnenmarktes. Ein Europa der sozialen Verantwortung, das seinen BürgerInnen Rechte eingesteht und Bedingungen schafft, diese auch in Anspruch nehmen zu können.