Mani pulite (Saubere Hände)

Gepostet am 28. August 2010

Erstaunliches passiert in diesen Tagen. Plötzlich tauchen, nicht mehr unter den Tisch kehrbare Hinweise auf, wie das alles passieren konnte, was viele schon lange vermuteten. Wie sich während der schwarz-blauen Jahre manche Kreise ohne Scham die Taschen mit ehemals öffentlichem Eigentum vollstopfen konnten. Wie die Justiz wegen nicht vorhandener Ressourcen und wegen politischer Rücksichtnahme (um es vornehm auszudrücken) nicht in der Lage war, das alles einer rechtlichen Beurteilung zuzuführen.

Plötzlich erscheint Österreich als rückständiges, in der Bekämpfung der Korruption zögerliches, vom politischen Filz beherrschtes Land. Mitte August fühlten sich die meisten bundesdeutschen Qualitätsmedien bemüßigt, die Zusammenhänge ausführlich darzustellen. Auf diese Weise verfestigt sich im Ausland auch ein bislang erst in Konturen wahrnehmbares Meinungsbild.

Diesmal wird es allerdings den von der Kritik betroffenen Eliten nicht mehr mittels der Bedienung des Anti-Auslandreflexes gelingen, alles beim Alten zu belassen. Niemand ist mehr zum nationalen „Schulterschluss“ bereit, den Wolfgang Schüssel immer larmoyant einforderte.

Zu groß ist die Abscheu gegenüber den grotesken Praktiken, zu groß die Wut über die Unverfrorenheit so mancher shooting stars der schwarz-blauen Wendejahre.

Es sieht so aus, als ob dies alles aufbrechen und in einem nationalen Selbstreinigungsprozess münden könnte.

Selbst die Ablenkungsmanöver mancher Landesfürsten taugen nicht mehr. Wenn überhaupt, dann kann nur noch unsere nationale Leidenschaft, alles mit politischer Apathie ertragen zu können, den Lauf der Geschichte aufhalten.

Vieles erinnert an das Italien der frühen 90-er Jahre, als ein paar mutige und aufrechte Menschen im Justizapparat mit ihrem notorischen Beharren auf Rechtstaatlichkeit das politische System aus den Angeln hoben.

„Mani pulite“ (saubere Hände) beflügelte den Wirbelsturm der das politische Gebäude Italiens damals zum Einsturz brachte. Kaum ein Stein blieb auf dem anderen. Niemand hatte so etwas vorhergesehen.

Das italienische Beispiel mahnt freilich auch, sehr genau darauf zu achten, was danach passiert. Ohne unabhängige Medien und ohne starke Zivilgesellschaft –beides hierzulande schwach ausgeprägt- haben die Berlusconis ein leichtes Spiel.