Über den Tellerrand – Vom Dazugehören

Gepostet am 12. April 2010

Referat – Österreichische Kinderfreunde – Rote Falken – „Aufbruch 2010“ Salzburg 11. April 2010

Ich habe mich sehr über die Einladung zu diesem Referat gefreut, da ich mich der österreichischen Kinderfreundebewegung sehr verbunden fühle.

Natürlich ist es auch für mich als Präsidenten der österreichischen Volkshilfe eine vorrangige Verpflichtung heute hier zu sein: unsere beiden Organisationen haben eine lange Tradition der Auseinandersetzung mit dem Thema:

Der Skandal der Armut ist der Urgrund der Existenz unserer Organisationen. Nicht zu akzeptieren, dass Kinder, nur weil ihre Eltern arm oder weniger begütert sind geringere Chancen haben sollen, nicht hinzunehmen, dass Armut gleichsam vererbt wird, das hat die Sozialdemokratie in ganz Europa über ein Jahrhundert lang ausgezeichnet.

Keine andere politische Bewegung hat sich so vorbehaltlos dem Ziel verschrieben, Armut von ihren Wurzeln her zu bekämpfen.

Über den Tellerrand soll ich blicken. Das erfordert etwas weiter auszuholen.

Ich möchte eine persönliche Befindlichkeit, die mich seit Wochen nicht loslässt, an den Beginn meiner Ausführungen stellen.
Ich habe vor ein paar Wochen meinen 60. Geburtstag gefeiert. Ein Anlass, sich zu erinnern und ein bisschen autobiographisch werden zu dürfen.

Ich wurde in ein kleines Innviertler Dorf geboren, in dem wegen der Existenz eines Granitsteinbruchs die sozialen Gegensätze klar sichtbar waren. Meine Eltern betrieben eine Gemischtwarenhandlung. Das Geschäft bildete gleichsam den Mittelpunkt des Dorfes, hier wurde nicht nur eingekauft, vielmehr war es eine Art Kommunikationszentrum. Ein idealer Ort für ein heranwachsendes Kind zu lernen, wie Gesellschaft funktioniert.