Erasmus unter Druck

Gepostet in Allgemein am 13. November 2012

Das ERASMUS Programm der EU fördert seit 1987 Studierende in ganz Europa und ermöglicht ihnen einen Aufenthalt im Ausland. Doch wie lange noch? Derzeit gerät ERASMUS unter erheblichen Druck. Nicht etwa politischen Druck, sondern unter rein budgetären Druck. ERASMUS geht spätestens Mitte 2013 das Geld aus.

Erfolgsprojekt
Erasmus ist eines der am längsten laufenden Programme der EU und auch eines der erfolgreichsten. Millionen von Studierenden in ganz Europa konnten so 3-12 Monate wichtige Erfahrungen machen und zusätzliche Kompetenzen im Ausland erwerben. Das diese Erfolgsgeschichte jetzt unter Druck gerät ist auch nicht auf politische Gründe zurückzuführen. Bis Anfang Oktober wurden schon alle Mittel des laufenden Jahres ausgegeben. Die restlichen 3 Monaten dieses Jahres werden aus dem Budget für 2013 bestritten – ab Mitte des nächsten Jahres fehlt dann das Geld.

Was fehlt konkret?
Das ERASMUS Programm ist Teil des „Lifelong Learning“ Programms (LLP) und macht etwas mehr als 40% des LLP’s aus. Für das nächste Jahr wären 1,14 Milliarden Euro für das LLP budgetiert, wovon 465 Millionen an ERASMUS gehen. Man geht davon aus, dass ca. 180 Millionen Euro fehlen, wovon 90 Millionen bei ERASMUS abgehen werden. Als eines der sichtbarsten und populärsten Programme der EU freut sich ERASMUS eines regen Andrangs. Daher wurden von den nationalen Agenturen, welche die Mittel der EU an die Studierenden verteilen, die Mittel schon Anfang Oktober ausgeschöpft.

Was heißt das für Studierende?
Bis zum Wintersemester 2013 werden Studierende ganz sicher keine Probleme mit den zugesagten Förderungen haben. Für das laufende Wintersemester werden die Gelder aus dem nächsten Jahr angezapft. Bisher wurden den nationalen Agenturen 70% des Budgets für 2012/13 überwiesen, derzeit wird in den einzelnen Ländern schon das Geld für das nächste Jahr verwendet.
Und für das Sommersemester 2013 ist auch auf jeden Fall genug Geld da. Sollte bis zum Sommer 2013 aber keine Lösung – in Form von 90 Millionen Euro zusätzlich – gefunden werden, könnte es zu Problemen beim Wintersemester 2013/14 kommen. Ein anderer Ansatz zur Lösung des Problems wäre das Einspringen der nationalen Regierungen.
Die Konsequenzen wären natürlich für viele Studierende katastrophal. Besonders bei einem Aufenthalt im Ausland ist die (finanzielle) Planbarkeit sehr wichtig. Da es jedoch sein könnte, dass Studierende für das Wintersemester 2013/14 nicht die volle zugesagte Summe an Förderungen bekommen, werden sie massiv in ihren Planungen gestört.

Ab 2014 „ERASMUS for All
Die budgetären Probleme von ERASMUS sind umso verwunderlicher, wenn man die Planungen des nächsten mehrjährigen Finanzrahmes der EU berücksichtigt. Während zwischen 2007 und 2013 das Budget für Lifelong Learning 7 Milliarden Euro betrug, werden es zwischen 2014 und 2020 ganze 19 Milliarden sein. Das stellt eine Erhöhung im Vergleich zum gesamten EU Budget von 0,71% auf 1,64% dar.

Statement zur Debatte im EU Parlament von Josef Weidenholzer:

Während meiner langjährigen Tätigkeit als Professor an einer österreichischen Universität konnte ich die Erfolgsgeschichte von Erasmus miterleben: wie die Studierenden von ihren Erasmus Aufenthalten mit mehr Weltoffenheit, Selbstbewusstsein, Motivation und einem positiven Bild von Europa zurückkehrten. Die Wirtschaft wiederum hebt die Auslandserfahrung als für sie wichtige Qualifikation hervor. Auch vor dem Hintergrund des gemeinsamen Binnenmarkts leistet Erasmus somit einen wichtigen Beitrag.
Erasmus ist eines der sichtbarsten und populärsten Programme der Europäischen Union und erreichte heuer schon eine Auslastung von 99%. Deshalb ist es notwendig, zusätzliche Mittel für das Programm freizugeben. Studierende, die in den kommenden Monaten ihren Erasmus Aufenthalt starten, müssen so schnell wie möglich Klarheit bekommen.
Gerade jetzt dürfen wir nicht Verwirrung schaffen. Erasmus 2013 darf daher nicht mit einer Budgetlücke starten. Wir können es uns deshalb gerade jetzt nicht leisten, diesen Leuchtturm der europäischen Bildungs- und Beschäftigungspolitik zu beschädigen. Bildung ist das beste Rezept gegen Jugendarbeitslosigkeit.

Links zum Thema:

>> Presseaussendung vom 25. Oktober 2012
>> Plenardebatte in Strassburg „Ist ERASMUS in Gefahr?“