eCall: Rettung in der Not oder „gläserner Autofahrer“?

Gepostet in Allgemein am 18. November 2014

Im Jahr 2013 waren in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union 7,5 Unfalltote pro 100.000 Einwohner zu beklagen. Durch den Ausbau des Binnenmarktes wird sich die Zahl der Straßenfahrten in den nächsten Jahren vergrößern. Die Europäische Union hat sich daher das Ziel gesetzt, die Sicherheit im Straßenverkehr zu optimieren.

Am 3. Juli 2012 billigte das EU-Parlament den Bericht „eCall: Ein neuer Notruf 112 für die Bürger“. Dieser beinhaltete die ersten Schritte zur Einführung eines verbindlichen, auf dem europäischen 112-Notruf basierenden, Alarmsystems. Obwohl die Vorteile klar auf der Hand liegen, gibt es auch Gefahren im Hinblick des Datenschutzes.

Beim eCall-System handelt es sich um eine Notrufanlage für Kraftfahrzeuge. Ziel ist es, Verletzte schneller am Unfallort versorgen zu können. Das System wird manuell betätigt oder reagiert auf das Auslösen der Airbags. Dann sendet es mittels GPS den Ort und die Zeit des Unglücks an die nächste zuständige Dienststelle. Das eCall-System lässt sich manuell nicht deaktivieren. Nach Angaben der EU-Kommission soll der Einbau von eCall etwa 100 Euro pro Fahrzeug kosten und ab Oktober 2015 in allen Neuwagen montiert werden.

Man geht davon aus, dass das neue System eine jährliche Verringerung der Todesopfer im Straßenverkehr zwischen 1% und 10% mit sich bringt. Schwere Verletzungen sollen um 2% bis 15% vermindert werden. All das ergibt sich durch das bessere Unfallmanagement, die exakte Übermittlung des Unfallortes, sowie durch die Tatsache, dass Unfälle unmittelbar im Augenblick des Geschehens gemeldet werden. Die Zeit bis zum Eintreffen der Notdienste wird dadurch deutlich verringert. Außerdem erwartet man einen signifikanten Rückgang der Kosten, die durch Unfälle verursacht werden.

Es gibt jedoch auch Kritik am eCall-System. Das Service beruht auf der Bereitstellung personenbezogener Informationen wie dem Namen des Autobesitzers und dem Kennzeichen. Dies, und die Tatsache, dass es manuell nicht ausgeschaltet werden kann, wirft Fragen des Datenschutzes auf. So muss beispielsweise sichergestellt sein, dass die Daten nur den Rettungskräften übermittelt werden. Auf Basis der Daten von eCall könnte auch ein Bewegungsprofil des Kraftfahrzeugs erstellt und missbraucht werden.

Das Europäische Parlament, der Rat der Europäischen Union und die Europäische Kommission ringen in Trilogverhandlungen nun um eine technische Lösung, die einerseits ein Maximum an Sicherheit garantiert und andererseits die Privatsphäre jedes einzelnen Autofahrers respektiert.