Whistleblower schützen und Gewalt in der Pflege verhindern

Gepostet in Allgemein am 28. März 2017

Gewaltsame Übergriffe in der Pflege sind ein Tabuthema. Doch es passiert, durch körperliche und seelische Nötigung und manchmal auch durch finanzielle Ausbeutung der Pflegebedürftigen. Es ist keine Frage, die Pflege eines Menschen kostet Kraft, Zeit und Geduld, es ist eine Aufgabe, die Betreuungspersonen nicht selten an ihre Grenzen bringt, in der häuslichen Pflege ebenso wie in den Institutionen. Der größte Teil der Betreuung älterer Menschen findet in den Familien statt. Mehrheitlich übernehmen Frauen die Betreuung und opfern dafür rund 15 Stunden pro Woche. Während im privaten Bereich neben der Überforderung häufig auch Konflikte zwischen Angehörigen eine Rolle bei gewaltsamen Verhalten spielen, sind in Institutionen vor allem strukturelle Probleme dafür verantwortlich. Gewaltsame Übergriffe passieren aber auch von der Patientenseite. Besonders bei Demenzkranken äußert sich die Verzweiflung über den zunehmenden Kontrollverlust im eigenen Leben in aggressivem Verhalten. Für alle Beteiligten ist dieser Umgang eine emotionale Herausforderung.

Fähiges Personal und faire Löhne

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet von jährlich vier Millionen über 60-Jährigen die körperliche Gewalt erfahren. Das Schweigen darüber verhindert geeignete Präventionsmaßnahmen. „Whistleblower aus den Pflegeeinrichtungen müssen eine Anlaufstelle finden und dürfen nicht aus Angst vor Konsequenzen schweigen“, sagt Josef Weidenholzer, Seniorenvertreter im Europäischen Parlament. Dort wurden bereits Qualitätskriterien für die Langzeitpflege verabschiedet. Dazu gehört unter anderem, dass Pflegeberufe mit fähigem Personal besetzt werden und das zu fairen Bedingungen. Für die Betreuung in den Familien ist es wichtig, sich Hilfe von außen zur Entlastung leisten zu können. „Damit professionelle Pflege für alle zugänglich ist, muss die Sicherung der Pensionen auf einem menschenwürdigen Niveau garantiert werden“, sagt Weidenholzer. Denn Altersarmut und Gewalt stehen in einem engen Wechselverhältnis zueinander. Eine wichtige Aufgabe, denn der Prozentsatz der über 65-Jährigen wird bis 2060 von heute 18 Prozent auf knapp 30 Prozent in der EU steigen.